Der deutsch-ungarische Ritterorden St. Georg versteht sich nicht als Rückblick auf vergangene Zeiten, sondern als Gemeinschaft von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Im Mittelpunkt stehen Werte wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Engagement für andere. Ritterliches Handeln bedeutet heute vor allem eines: helfen, wo Hilfe gebraucht wird.
Die Mitglieder des Ordens unterstützen soziale Projekte, fördern Schulen, helfen Krankenhäusern und engagieren sich in Regionen, in denen Menschen unter schwierigen Lebensbedingungen leben. Jeder Einzelne ist aufgerufen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und dort aktiv zu werden, wo Unterstützung möglich ist. Übersteigen Herausforderungen die eigenen Kräfte, wird die Gemeinschaft aktiv.
Diese Idee hat eine lange Geschichte. Schon im Mittelalter entstand der Orden aus dem Wunsch heraus, auf Ungerechtigkeit, Not und gesellschaftliche Spannungen zu reagieren. Was damals begann, wird heute in moderner Form weitergeführt – als bewusstes Leben von Werten in einer Zeit, in der Mitmenschlichkeit oft zu kurz kommt.
Eine besondere Verbindung besteht dabei auch zu Passau. In der Klosterkirche Niedernburg befindet sich das Grab der ungarischen Königin Gisela von Bayern, wodurch sich eine historische Brücke entlang der Donau bis nach Ungarn spannt.
Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes in der Klosterkirche Niedernburg in Passau wurden am vergangenen Samstag 17 Frauen und Männer in den Orden aufgenommen. Gemeinsam mit ihren Familien sowie bestehenden Mitgliedern erlebten sie einen festlichen Moment, der weniger eine Auszeichnung als vielmehr ein Auftrag ist: sich aktiv für andere einzusetzen.
Einer der neu aufgenommenen Ritterherren ist Rudolf Perner aus dem Pfarrgemeinderat Hacklberg. Sein Weg zum Orden ist eng mit seinem beruflichen Wirken verbunden. Durch seine Tätigkeit im Glockengießerhandwerk führte ihn sein Weg wiederholt nach Jerusalem, wo er gemeinsam mit anderen an der Instandsetzung von Glockenanlagen in Kirchen beteiligt war – unter anderem auch an historischen Anlagen, die noch Spuren vergangener Konflikte tragen. Dabei entstanden nicht nur neue Glocken, sondern auch Begegnungen mit Menschen und ihren Lebensrealitäten.
Diese Erfahrungen, ebenso wie seine langjährigen Kontakte in verschiedene Länder Osteuropas, haben in ihm den Wunsch gestärkt, nicht nur zuzusehen, sondern aktiv zu helfen. Genau hier fand er im Ritterorden eine Gemeinschaft, die dieses Anliegen teilt und konkret umsetzt.
Wie er selbst sagt: „In Gemeinschaft hoffe ich weiterhin, in diesen Ländern für eine gemeinsame europäische Gemeinschaft etwas erreichen zu können. Auch die längste Reise beginnt mit kleinen Schritten.“
Ritter sein bedeutet heute also nicht, einen Titel zu tragen, sondern eine Haltung zu leben. 14.05.2026 Anna Lena Rösch


