Und so machte sich diese bunt zusammengewürfelte Gruppe, die sich kaum untereinander kannte, mit viel Neugierde, etwas Bauchkribbeln und voller Vorfreude auf den Weg in das Abenteuer Indien. Wir selbst hatten ein gutes Gefühl, denn mit dem geistlichen Beistand durch Pater Edriance und zwei Ärzten in unserem Reiseteam konnte nichts schief gehen.
Nach einer doch etwas längeren Anreise mit Zwischenstopp in Dubai landeten wir in New Delhi im Norden von Indien. Und schon waren wir mittendrin. Während wir in einem klimatisierten Bus saßen, herrschte draußen das geordnete Chaos: hupende Tuk-Tuks, gemächliche Kühe und Verkehrsregeln, die nicht wirklich als Regeln verstanden wurden. Der Geldumtausch wurde einfach unkompliziert im Bus auf der Fahrt nach Agra abgewickelt.
Und schon hatten wir unser erstes Highlight, die Besichtigung der Festung Agra.
Am zweiten Tag wartete des weltberühmte Taj Mahal auf uns. Zuerst verschlungen und kaum sichtbar im Nebel, wurden wir dann, als das Wetter sich umentschied mit einem atemberaubenden Blick fasziniert. Und unsere ersten Begegnungen mit den einheimischen Menschen waren geprägt von Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit und Herzlichkeit.
Und so, wie diese Reise nun begonnen hatte, ging sie die nächsten Tage weiter.
Es folgte die Weiterreise nach Jaipur mit der Besichtigung des „Palastes der Winde“ und mit Stopps am Wasser- und Stadtpalast. Der Aufstieg zum Fort von Amber wurde uns auf dem Rücken von Elefanten abgenommen und ein weiteres aufregendes Ereignis war eine Rikschafahrt durch die engen Gassen von Jaipur.
Bei den Besichtigungen von Marmor- und Stoffmanufakturen wurden wir in diese Gewerke eingeführt und durften natürlich nicht nur Staunen und Fühlen sondern auch Kaufen.
Zurück in New Delhi fuhren wir vorbei am India Gate zum beeindruckendem Krematorium von Mahatma Gandhi.
Der 5. Tag unsere Reise war verschiedenen, imposanten Tempeln gewidmet: dem gigantischen Akshardham-Tempel, den außergewöhnlichen Lotus-Tempel in Form einer Lotusblume und einem Sikh-Tempel, in dem die Angehörigen dieser Kaste *) sogar kleinere Waffen bei sich tragen dürfen. Der anschließende Besuch in einer Suppenküche hinterließ bei uns Eindrücke wie: Nähe, Armut, Dankbarkeit aber vor allem Gemeinschaft.
Wir flogen weiter nach Kochi in den Süden, in die Heimat von Pater Edriance.
Begrüßt durch traditionelle Trommeln ging es vorbei an Kautschuk- und Muskatplantagen zum Provinzhaus von Pater Edriance. Auf der weiteren Fahrt nach Munnar, einer Stadt im indischen Bundesstaat Kerala besuchten wir zahlreiche Kirchen.
Wir sammelten Eindrücke bei einem Rundgang durch eine Gewürzplantage, wo wir über die verschiedensten Pflanzen und ihre Heilwirkungen aufgeklärt wurden. Wir streiften durch Teeplantagen, konnten der Produktion von Tee zuschauen und durften ihn anschließend auch verkosten. Wir schlenderten durch einen bunten belebten Basar, auf dem man alles kaufen konnte. Angefangen bei Obst und Gewürzen, Stoffen bis hin zu Ziegenköpfen.Der krönende Abschluss dieses Tages war eine eigens für uns organisierte Kochvorführung im Hotel.
Wie sind am Meer! Kurzes Durchschnaufen nach all den bisher gesammelten Eindrücken — Baden und Strandspaziergang standen auf dem Plan.
Auf dem Weg zu unserer nächsten Herberge, einem Hausboot, besuchten wir eine Teppich-Weberei, einen Indischen Tempel, in dem eine kleine Prozession stattfand, und einen Kindergarten.
Angekommen auf dem Hausboot hieß es einfach nur, die Natur und Landschaft vom Wasser aus zu genießen.
Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus weiter in Richtung Kovalam. Wir statteten dem reichsten Tempel von Indien, dem Padmanabhaswamy-Tempel in Thiruvananthapuram einen Besuch ab. Eine Besichtigung war allerdings für uns Touristen nur von außen gestattet.
Und nun erwartete uns ein absolutes Highlight, die Erstkommunion von Pater Edriance Neffen Elton. Dass wir das als Gäste miterleben durften, war schon sehr beeindruckend. Zu sehen, wie mit Tänzen, Musik und Essen gefeiert wird. Wir mitten drin, und dieses Flair hatte schon fast etwas von Bollywood — einfach unvergesslich.
Und unvergesslich war für uns diese gesamte Reise. Wir hätten im Vorfeld nicht gedacht, dass Indien so einen faszinierenden fesselnden Eindruck auf uns macht. Die vielen bunten Farben waren für uns am Ende das Sinnbild von all dem, wie das Land auf uns gewirkt hat.
Die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen, wie sie uns in ihrem Land begrüßt und aufgenommen haben.
Wie sie uns vorleben, dass die verschiedensten Religionen sich friedlich untereinander akzeptieren, begegnen und sogar zusammen feiern.
Die Bauwerke und Sehenswürdigkeiten; das Essen und das doch funktionierende Verkehrschaos.
Für einige von uns, war es die erste Indienreise. Für mich wird es bestimmt ein weiteres Mal Indien geben — und ich kann es jedem nur empfehlen, es auch einmal zu erleben!
Namaste!
Mandy Hieke
* ) Kastenwesen ist in Indien eine streng hierarchische, religiös begründete Sozialstruktur

